Goethe 1749-1832
Beherzigung
Ach, was soll der Mensch verlangen?
Ist es besser, ruhig zu bleiben?
Klammernd fest sich anzuhangen?
Ist es besser, sich zu treiben?
Soll er sich ein Häuschen bauen?
Soll er unter Zelten leben?
Soll er auf die Felsen trauen?
Selbst die festen Felsen beben.
Eines schickt sich nicht für alle!
Sehe jeder, wie er´s treibe,
sehe jeder, wo er bleibe,
und wer steht, dass er nicht falle!
Den deutschen Mannen
gereichts zum Ruhm,
Dass sie gehasst das Christentum,
Bis Herrn Karolus' leidigem Degen
Die edlen Sachsen unterlegen.
Doch haben sie lange genug gerungen,
Bis endlich die Pfaffen sie bezwungen,
Und sie sich unters Joch geduckt;
Doch haben sie immer einmal gemuckt.
Sie lagen nur im halben Schlaf,
Als Luther die Bibel verdeutscht so
brav.
Sankt Paulus, wie ein Ritter derb
Erschien den Rittern minder herb.
Freiheit erwacht in jeder Brust,
Wir protestieren all mit Lust
Du bist! du bist! sagt
Lavater. Du bist!!
Du bist!! du bist!!!! du bist, Herr
Jesus Christ!!!!
Er wiederholte nicht so heftig Wort und
Lehre,
wenn es ganz just mit dieser Sache wäre.
O Freund, der Mensch ist nur ein Tor,
stellt er sich Gott als seines Gleichen
vor.
Du bist! du bist! sagt
Lavater. Du bist!!
Du bist!! du bist!!!! du bist, Herr
Jesus Christ!!!!
Er wiederholte nicht so heftig Wort und
Lehre,
wenn es ganz just mit dieser Sache wäre.
(Goethe, Auf Lavaters Lied eines
Christen an Christus geschrieben) |